Motivation
Der Smart-Meter-Rollout steht in Deutschland bei 5,5 % – d. h. 94,5 % der Haushalte werden weiterhin mit Standardlastprofil (SLP) bilanziert.
Einige dieser Haushalte haben PV-Anlagen auf dem Dach. Die resultierende Einspeisung erschwert die Bilanzierung.
Analyse
Für diese Analyse haben wir die SLP-Summenlast von 10 großen Verteilnetzbetreibern untersucht, die insbesondere ländliche Gebiete mit viel PV-Durchdringung abdecken.
Die SLP-Summenlast entspricht dem Verbrauchsprofil aller ungemessenen Netzteilnehmer:
- die 94,5 % der Haushalte ohne Smart-Meter
- Kleingewerbe
- sonstige Verbraucher wie z. B. Straßenbeleuchtung
Die SLP-Summenlast wird mit den gängigen Standardlastprofilen des BDEW verglichen, wie sie heute oft in der Bilanzierung zum Einsatz kommen.
Ergebnisse
Die erste Grafik zeigt die Abweichung (Mean Average Error) zwischen der durchschnittlichen SLP-Summenlast im Sommer (April bis August) und dem H0-Standardlastprofil, dynamisiert auf diesen Zeitraum.
Die Grafik zeigt erhebliche Unterschiede bei den Netzbetreibern. Das liegt insbesondere an der unterschiedlichen PV-Durchdringung, aber auch an dem Anteil von Nicht-Haushalten in der SLP-Summenlast. Im Durchschnitt liegt die Abweichung bei 12 %.
Im Jahr 2025 hat der BDEW das klassische Haushaltsprofil H0 aus dem Jahr 1999 aktualisiert und die Haushaltsprofile H25 und P25 entwickelt:
- H25 beschreibt den aktuellen Stand von klassischen Haushalten
- P25 berücksichtigt eine PV-Anlage
Es zeigt sich, dass eine Aktualisierung von H0 auf H25 die Abweichung reduziert. Das P25-Profil schießt jedoch übers Ziel hinaus und überschätzt den PV-Effekt, da dieses Profil für Haushalte mit PV entwickelt wurde. Das trifft nicht auf alle Haushalte in der SLP-Summenlast zu.
Sind die PV-Messstellen bekannt, kann eine gemischte Bilanzierung mit H25 und P25 die Abweichung weiter reduzieren. Allerdings sind beide Profile deutschlandweit einheitlich kalibriert.
Der PV-Dip variiert jedoch in Höhe und Struktur stark. Selbst mit korrekten Stammdaten können bundesweite Profile diese lokalen Unterschiede nicht abbilden.
Erkenntnisse
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Die Abweichung zwischen dem H0-SLP (1999) und der SLP-Summenlast liegt zwischen 5 und 17 %, abhängig von PV und lokalen Spezifika.
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Eine Aktualisierung auf H25 reduziert die Abweichung, eine vollständige Bilanzierung mit P25 überschätzt jedoch den PV-Effekt.
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Bundesweite Profile (H0/H25/P25) stoßen durch die Verbrauchsstruktur und den PV-Dip strukturell an Grenzen – die Varianz zwischen Netzgebieten ist zu groß.
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Ein Mischprofil aus z. B. H25/P25 funktioniert nur mit guter Stammdatenqualität, PV-Anlagen müssen korrekt erfasst sein.
Profilio unterstützt auf beiden Ebenen: Entwicklung netzgebietsspezifischer Bilanzierungsprofile sowie Verbesserung der Stammdatenqualität.
Wie netzgebietsspezifische Profile aus realen Messdaten entwickelt werden und was das für die Bilanzierungskosten bedeutet, zeigen wir im nächsten Beitrag.